Sehen ist besser als Glauben: Ein neues Simulationstool des Fraunhofer ISE macht sofort sichtbar, wie Batteriespeicher den Strommarkt verändern. Sie reduzieren extreme Preisspitzen, verringern negative Preise und erhöhen den Marktwert von Solarstrom. Für uns bestätigen die Ergebnisse, was wir seit Langem beobachten und erwarten: Speicher schaffen wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen zugleich.

Wie verändert sich der Strompreis, wenn deutlich mehr Batteriespeicher am Markt teilnehmen? Der neue Strompreissimulator des Fraunhofer ISE, der u.a. mit Unterstützung durch ECO STOR erstellt wurde, macht genau diesen Effekt sichtbar. Grundlage sind reale Kauf- und Verkaufsgebote des Day-Ahead-Marktes 2025. In diese historischen Marktsituationen werden zusätzliche Batteriespeicher hineingerechnet.
Die Ergebnisse sind deutlich. Bei 20 GW zusätzlicher Speicherleistung mit zwei Stunden Speicherdauer sinkt die Zahl der Stunden mit Preisen über 200 Euro/MWh von 169 auf 20, die Zahl negativer Preisstunden von 575 auf 271. Gleichzeitig steigt der Marktwert von Solarstrom um rund 35 Prozent. Der höhere Marktwert könnte den EEG-Förderbedarf rechnerisch um bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr reduzieren.
Der Marktmechanismus wirkt
Für uns bestätigt die Simulation einen zentralen Mechanismus des Speicherbetriebs: Speicher nehmen Strom auf, wenn er günstig und reichlich vorhanden ist, und geben ihn zurück, wenn Strom knapp und teuer wird. Sie nutzen damit Preisunterschiede für ihr Geschäftsmodell – und reduzieren gleichzeitig genau diese Preisunterschiede.
„Der Strompreissimulator macht sichtbar, was wir seit Langem beobachten und wovon wir bei der Entwicklung unserer Speicher ausgehen: Batteriespeicher reagieren auf Überschuss und Knappheit. Damit verdienen sie am Markt Geld und schaffen gleichzeitig einen Nutzen für das gesamte Stromsystem“, sagt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECO STOR.
Dabei zeigt die Simulation bewusst nur einen Ausschnitt. Sie betrachtet den Day-Ahead-Markt. Intraday-Handel, Regelenergie, Systemdienstleistungen und Netzentlastung sind nicht enthalten. Fraunhofer versteht den Simulator daher als Was-wäre-wenn-Rechnung und nicht als Prognose. In der Praxis nutzen Großspeicher verschiedene Märkte. Mit einer wachsenden Speicherflotte dürfte insbesondere der vergleichsweise kleine Regelenergiemarkt allerdings nur einen begrenzten Teil des Anlagenverhaltens bestimmen.
Künftig zählt zunehmend die Speicherdauer
Das Tool zeigt zugleich eine wichtige Entwicklung: Je mehr Speicher kurzfristige Preisunterschiede nutzen, desto stärker glätten sie diese. Bei 20 GW zusätzlichen Zwei-Stunden-Speichern sinkt der durchschnittliche Tages-Spread im untersuchten Jahr von 130 auf 53 Euro/MWh. Damit gewinnt aus Sicht von ECO STOR neben der Leistung zunehmend die Speicherdauer an Bedeutung.
„Wir gehen davon aus, dass sich der Markt zunehmend in Richtung längerer Speicherdauern entwickelt“, sagt Georg Gallmetzer. „Perspektivisch werden vier bis acht Stunden eine wesentlich größere Rolle spielen. Der Speicher der Zukunft muss Energie nicht nur schnell, sondern zunehmend auch länger verschieben können.“
Langfristig halten wir bei ECO STOR eine Größenordnung von rund 200 GWh Batteriespeicherkapazität in Deutschland für plausibel. Bei einer durchschnittlichen Speicherdauer von vier Stunden entspräche das etwa 50 GW Leistung. Angesichts der aktuellen Projektdynamik erscheint für uns bis 2030 zudem ein Ausbau auf rund 20 GW beziehungsweise 80 GWh Großspeicher zunehmend realistisch.
Die Geschäftsmodelle müssen mitwachsen
Für die Branche liegt darin eine besondere Herausforderung: Speicher reduzieren durch ihren eigenen Erfolg einen Teil der Preisschwankungen, von denen sie wirtschaftlich profitieren. Für Verbraucher und Stromsystem ist genau das der gewünschte Effekt. Für zukünftige Speicher bedeutet es, Technologie und Geschäftsmodelle kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Der regulatorische Rahmen sollte diese Entwicklung unterstützen und insbesondere Hürden für längere Speicherdauern abbauen. Dazu gehört auch ein fairer Zugang von Batteriespeichern zu einem künftigen Kapazitätsmarkt.
Der Strompreissimulator macht damit nicht nur sichtbar, welchen Nutzen Batteriespeicher heute schaffen. Er gibt auch einen Hinweis darauf, wohin sich der Markt entwickelt: von immer mehr Speicherleistung hin zu mehr Speicherkapazität und längeren Speicherdauern.
Das Tool ist hier kostenfrei abrufbar: