
Kirchheim bei München / Berlin, 11. Mai 2026 – Der weitere Ausbau von Batteriegroßspeichern ist eine zentrale Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. Gleichzeitig nehmen regulatorische Eingriffe in den Speicherbetrieb derzeit deutlich zu, von technischen Anschlussbedingungen über flexible Netzanschlussverträge (FCA) bis hin zu gesetzlichen Vorgaben im Rahmen des geplanten Stromversorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes.
Vor diesem Hintergrund hat ECO STOR die Studie „Regulierung von Batterien im Übertragungsnetz“ bei Neon Neue Energieökonomik beauftragt. Die Autoren Alexander Neef, Anselm Eicke und Lion Hirth entwickeln darin ein kohärentes Instrumentarium für die systemdienliche Integration von Großbatterien im deutschen Übertragungsnetz.
Regulatorische Unsicherheit gefährdet Speicherhochlauf
Die Untersuchung will einen konstruktiven Beitrag zur aktuellen Debatte um die Rolle von Großspeichern im Energiesystem leisten. Ziel ist es, Netzstabilität, Investitionssicherheit und volkswirtschaftliche Effizienz gemeinsam zu denken, anstatt Batteriespeicher durch widersprüchliche Einzelmaßnahmen faktisch auszubremsen.
„Die aktuellen Diskussionen zeigen, dass wir dringend einen konsistenten regulatorischen Rahmen für Großspeicher brauchen. Ohne abgestimmtes Gesamtkonzept droht ein regulatorischer Flickenteppich aus Netzentgelten, Anschlussauflagen und Betriebseinschränkungen, der Investitionen massiv erschwert und die Energiewende verteuert“, erklärt Anselm Eicke, Partner bei Neon.
Die Autoren warnen ausdrücklich davor, dass parallel entstehende regulatorische Ansätze ohne systematische Gesamtlogik zu redundanten oder widersprüchlichen Anforderungen führen könnten. Dies gefährde Investitionssicherheit, erhöhe Finanzierungskosten und könne den dringend benötigten Speicherhochlauf erheblich verlangsamen oder sogar zum Stillstand bringen.
Leitlinien für den Speicherbetrieb im Übertragungsnetz
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie der Betrieb von Großspeichern im Übertragungsnetz sinnvoll reguliert werden kann. Dabei identifizieren die Autoren vier zentrale Herausforderungen des zukünftigen Netzbetriebs: vorhersehbare Netzengpässe, kurzfristige Netzengpässe, Frequenzstabilität sowie die Beteiligung von Speichern an der Netzfinanzierung
Fünf Instrumente für eine systemdienliche Integration
Um diese Herausforderungen zu adressieren, empfehlen die Autoren fünf konkrete Instrumente:
1. dynamische Netzentgelte
2. kompensierten Redispatch
3. ein schrittweise reduziertes Regelleistungslimit pro Anlage
4. Rampenvorgaben mit Kompensation
5. leistungsbasierte Beiträge zur Netzfinanzierung
Gleichzeitig sprechen sich die Autoren gegen pauschale Betriebseinschränkungen, unvergüteten Redispatch oder allgemeine Sperrzeiten aus. Solche Maßnahmen würden hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachen, ohne Netzprobleme effizient zu lösen.
Praxiserfahrungen fließen bereits in die Debatte ein
Die vorgeschlagenen Ansätze basieren dabei nicht nur auf energiewirtschaftlicher Modellierung, sondern auch auf praktischen Erfahrungen aus der Entwicklung und dem Betrieb großer Batteriespeicherprojekte. Elemente wie prognosebasierte Netzbewirtschaftung, dynamische Betriebsführung und netzdienliche Fahrweisen werden von ECO STOR bereits heute im Rahmen eigener Projekte erprobt.
Aus Sicht von ECO STOR braucht Deutschland nun vor allem regulatorische Klarheit: Batteriespeicher müssten als systemrelevante Infrastruktur verstanden werden, nicht als Risiko für das Stromsystem, sondern als Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und die effiziente Nutzung erneuerbarer Energien.
Strompreissignale zeigen den Flexibilitätsbedarf
Denn gerade in Zeiten stark schwankender Strompreise und zunehmender Netzengpässe spielen Batteriespeicher eine Schlüsselrolle im Stromsystem. „Die Preisereignisse Ende April und Anfang Mai zeigen deutlich, dass Deutschland kein Erzeugungsproblem mehr hat, sondern ein Flexibilitätsproblem. Negative Strompreise bis zu -500 €/MWh bei gleichzeitig hohen fossilen Spitzenstrompreisen sind Ausdruck struktureller Ineffizienzen im bestehenden System“, erklärt Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECO STOR.
ECO STOR hatte zuletzt in einem Meinungsbeitrag darauf hingewiesen, dass Deutschland trotz hoher erneuerbarer Erzeugung erhebliche Energiemengen abregeln müsse, weil Speicher und Flexibilitäten nicht ausreichend integriert würden. „Das ist kein Naturgesetz. Das ist ein Systemfehler“, schrieb Gallmetzer.
Die Studie „Regulierung von Batterien im Übertragungsnetz“ steht ab sofort zur Verfügung: https://neon.energy/regulierung-grossbatterien/
Der Meinungsbeitrag von Georg Gallmetzer ist hier verfügbar:
https://www.pv-magazine.de/2026/05/06/wenn-naturgesetze-auf-systemfehler-stossen-warum-wir-unseren-energiereichtum-verschwenden/