STATEMENT ZUR VORSTELLUNG DES REIFEGRADVERFAHRENS DER ÜBERTRAGUNGSNETZBETREIBER
REIFEGRADVERFAHREN ALS SCHLÜSSEL FÜR QUALITATIV HOCHWERTIGE UND REALISIERBARE SPEICHERINFRASTRUKTUR

ECO STOR begrüßt grundsätzlich die Einführung eines Reifegradverfahrens, mit dem qualitative Kriterien und die tatsächliche Umsetzungswahrscheinlichkeit von Speicherprojekten stärker berücksichtigt werden sollen.
Die Einführung qualitätsbezogener Kriterien für die Vergabe von Netzanschlüssen kommt dabei zu einem richtigen Zeitpunkt. Mit dem Ausschluss von Großbatteriespeichern aus der Kraftwerksnetzanschlussverordnung zum 24. Dezember 2025 wurde das automatische Windhundprinzip bei Netzanschlussbegehren für Speicher ohne konkrete Nachfolgeregelung beendet. Die so entstandene Regelungslücke kann nun durch das angekündigte Reifegradverfahren der Netzbetreiber geschlossen werden.
Projektqualität steht im Mittelpunkt
Insgesamt sehen wir, dass das Reifegradverfahren die Chancen für gut vorbereitete Neuanträge erhöht. Projektqualität, Planungstiefe und Umsetzungswahrscheinlichkeit rücken nun stärker in den Vordergrund. Aus unserer Sicht sind diese Punkte, zusammen mit ihrer technischen Auslegung sowie der Erfahrung des Projektierers und dem Systemnutzen des Projektes zentrale Voraussetzungen für ernsthafte Speicherprojekte. Genau diese Kriterien sind bei ECO STOR von Beginn an Maßstab. Entscheidend wird nun sein, wie diese Kriterien durch die Netzbetreiber in der Praxis jeweils bewertet werden. Wir werden die Umsetzung des Verfahrens aufmerksam verfolgen.
Gleichzeitig erwarten wir aber auch, dass das Verfahren zu höheren Markteintrittsbarrieren führt. Das ist aus Systemperspektive sinnvoll, um rein spekulative Anfragen zu reduzieren. Zugleich ist es eine Herausforderung für neue Marktteilnehmer und Start-ups, die erst in den Markt eintreten und entsprechende Planungstiefe noch aufbauen müssen. Auch dieser Aspekt sollte bei der Weiterentwicklung des Verfahrens berücksichtigt werden. Es muss um das positive Nutzbarmachen von Marktdynamik gehen, nicht um Besitzstandswahrung.
Dabei ist es wichtig zu betonen, dass Batteriespeicher nicht aus Selbstzweck errichtet werden. Sie sind ein zentraler, privat finanzierter Bestandteil eines zukunftsfähigen und ganzheitlich gedachten Stromsystems. Richtig eingesetzt können sie dazu beitragen, Versorgungssicherheit zu erhöhen, Flexibilität bereitzustellen und Netzausbaukosten zu begrenzen. Alles, was den bedarfsgerechten Ausbau von Speichern unterstützt und dazu beiträgt, die bestehende Speicherlücke im Stromsystem zu schließen, begrüßen wir ausdrücklich.
Wir sehen zudem einen indirekten positiven Effekt auf die kommunale Akzeptanz. Auch wenn kommunale Entscheidungen zeitlich vor der Netzprüfung liegen, kann die stärkere Fokussierung auf Projektqualität dazu beitragen, Vertrauen in die Umsetzbarkeit von Speicherprojekten zu stärken.
Transparente Umsetzung und regulativer Kontext
Ein Reifegradverfahren kann seine Wirkung aber nur dann voll entfalten, wenn es transparent, verbindlich und konsistent umgesetzt wird. Zudem steht es nicht im luftleeren Raum, sondern sollte durch geeignete regulatorische Rahmenbedingungen flankiert werden. Neben dem Reifegradverfahren trägt auch der laufende AgNes-Prozess der Bundesnetzagentur dazu bei, die Rahmenbedingungen für Speicherprojekte neu zu ordnen und Investitionsentscheidungen stärker zu strukturieren.
Aus unserer Sicht besteht darüber hinaus noch Klärungsbedarf beim Umgang mit der Priorisierung anderer großer Anschlussnehmer, etwa von Rechenzentren oder Gaskraftwerken. Sowohl die Vorhaltung von Reserveschaltfeldern als auch eine nachträgliche Verschiebung von Netzzuschaltungen können zu Effizienzverlusten oder eingeschränkter Planbarkeit führen. Hier braucht es transparente und verlässliche Lösungen, um Investitionssicherheit für alle Beteiligten zu gewährleisten.
Im Zusammenspiel können diese Instrumente dazu beitragen, die Zahl rein spekulativer Netzanschlussbegehren zu begrenzen und den Fokus auf realisierbare, systemisch sinnvolle Speicherprojekte zu lenken. Eine abgestimmte Weiterentwicklung dieser Ansätze ist aus unserer Sicht entscheidend, um Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft für Speicherprojekte nachhaltig zu stärken.